Zum 100. Geburtstag Ruth Berlaus am 24. August 2006

Sabine Kebir

Mein Herz liegt neben der Schreibmaschine

Ruth Berlaus Leben vor, mit und nach Bertolt Brecht

  

Als mein Gehirn sich spaltete

In Liebe – Haß

Meinte er, ich hätte ihn verraten

  

„... mich hat es sehr beeindruckt, daß Brecht nicht will, daß ich wegfahre. Unbedingt nicht will, daß ich nun endlich wegfahre. Er weiß, daß ich, durch die Lehrjahre, durch seine Lehre, nun endlich soweit gekommen bin, daß ich alleine [arbeiten] kann, alleine schreiben kann, alleine Regie führen kann, alleine weiter kämpfen kann. Brecht weiß aber auch, daß ich nicht ohne seine Liebe auskomme und wir haben einen Spruch gegründet zwischen uns: et prope et procul [in der Ferne – in der Nähe ...] Ich war ein sogenannter Salonkommunist, fahrend in Professor Lunds Limousine und staunte über die Armut von Kopenhagen bis Florenz, Neapel und Rom. Dann traf ich Brecht und er machte aus dieser verwöhnten, schönen und dummen Person einen Kommunisten [...] Ich kannte Bertolt Brecht schon 2 Jahre, bevor ich meinen ersten Kuß abholte und er war sehr befreundet mit meinem Professor und ich mit Helene Weigel“ [1955]

 

 

Um Ruth Berlau (1906-1974), die dänische Freundin und Mitarbeiterin Bertolt Brechts, ranken sich zahllose Gerüchte und Legenden. Sabine Kebir, die schon mehrere erfolgreiche Biographien von Frauen im Umkreis Brechts verfaßte, legt nun eine Biographie Ruth Berlaus vor. Sie entstand auf Grundlage ihrer Berliner und Kopenhagener Nachlässe sowie zahlreicher Zeugenschaften. Kebir betrachtet die gleichermaßen großartige wie tragische Figur der Dänin aus neuen Blickwinkeln. Brecht wurde nicht nur ihr Lehrer, sondern auch ihr Therapeut. Beide ahnten nicht, daß daraus ein verhängnisvoller Kampf entstehen würde und schließlich eine gegenseitige Gefangenschaft. Auch Brecht lernte etwas Wesentliches von Ruth Berlau: extremes Vernunftdenken stößt an Grenzen.

Sabine Kebirs Forschung bietet auch eine faszinierende Sicht auf unbekannte Novellen, Fragmente von Stücken, Filmszenarien und Hörspiele, die von der Kreativität zeugen, die Berlau und Brecht zusammen entfalteten. Was sie lustig fand, beeinflußte ihn.

 

 

Editions Lalla Moulati, Algier 2006

ISBN : 9961-788-06-0

 

Kontakt für Buchbestellungen, Vorträge, Lesungen: S.Kebir@t-web.de